Warum dieser Blog und warum ausgerechnet Vergaberecht?

Servus und herzlich willkommen!
Schön, dass Sie hierher gefunden haben. Während Sie diesen Beitrag lesen, machen Sie es sich gemütlich, Käffchen?, und lassen Sie uns über Vergaberecht reden.

Puh, Vergaberecht, right? Mühsam, kompliziert und von AG und Anbietern gleichermaßen mit Seufzen und Augen rollen betrachtet. Ich weiß!
Ich mach das Ganze mittlerweile seit ein paar Jahren. Meine erste Begegnung hatte ich 2010, damals bei einem Sektorenauftraggeber beschäftigt und dachte, nach einem schicken teuren Zwei-Tages-Seminar im Herzen Wiens das ganze Vergaberecht mit all seinen Feinheiten und Ausnahmen und Besonderheiten und Ausnahmen und Unterscheidungen und Ausnahmen so gut verstanden zu haben, dass ich unsere Anwälte feuern und zugleich eine Ausschreibung für Kugelschreiber starten wollte. Bei einem Sektorenauftraggeber. Mhm. Ich weiß. Aber genau solche Missverständnisse entstehen in schlechten Seminaren mit schlechten Vortragenden und schlechten Abkürzungen „das brauche ich Ihnen nicht zu erklären, das wissen Sie bestimmt“ (äh, nein, sorry, sonst wäre ich ja nicht hier). Und glauben Sie mir, ich saß in vielen schlechten Seminaren (im Lebenslauf/bei Xing und LinkedIn fehlt die „diese Veranstaltungen habe ich überstanden und das Essen war auch meh“-Spalte, da erwähne ich nur noch die guten; aber in Zukunft können Sie sich auf ungeblümte Erfahrungsberichte freuen).

Als ich dann nach Berlin gezogen bin, hab ich gedacht, des passt scho. Gleiche Ausgangsbasis (EU-Richtlinien), gleiche Sprache (naja, fast) – ich werde mich schnell reinfuchsen. 

So zuversichtlich.
So naiv.

Für die Abschlussarbeit über die „Freihändige Vergabe“ gab es noch 14 Punkte, aber ein Stern am Literaturhimmel im Vergaberecht ist sie mit Sicherheit nicht und veröffentlichen werde ich die Arbeit bestimmt auch nie. Beim ersten Job in Deutschland war ich dann trotzdem on top of my game: belesen, informiert, motiviert. So circa bei Verfahren Nummer 285 erkannte ich jedoch, so eine Kollegin und Lehrerin geworden zu sein, über die ich mich immer beschwerte und versprochen hatte, nie zu werden: ich hatte erklärte plötzlich keine (relevanten) Basics mehr, vergeudete meine Zeit damit zu lamentieren, keine Zeit zu haben und schon lange mehr mit Unternehmenspolitik auf Hamsterradebene beschäftigt als mit der gewissenhaften Umsetzung anstehender Gesetzesnovellen.

Aber jetzt bin ich ja in Elternzeit, habe meine Diss, diesen Blog – und noch immer die Leidenschaft fürs Vergaberecht! Ist schon toll, wenn man nach all der Zeit seinen Beruf im Grunde immer noch liebt. Wenn es an irgendeiner Stelle Probleme mit Vorgesetzten, Prozessabläufen oder Überbelastungen gibt, dann liegt das ja nicht am Vergaberecht. Es ist für mich immer noch eines der vielseitigsten und interessantesten Rechtsgebiete:

Man trifft ständig neue Menschen.
Man vergibt nie zwei Mal genau den gleichen Auftrag.
Man muss sich immer wieder in andere Rechtsgebiete einarbeiten.
Und es ist eine Herausforderung. Als Frau in der Juristerei, als Mutter in der Arbeitswelt, als kleine Vergabestelle.

Ich habe lange überlegt, welche Inhalte ich hier anbieten möchte und wie sie am besten präsentiert werden. Hier eine kurze Übersicht:
❑ ganz offensichtlich müssen der Blogroll und die Seite mit den Links fertig gestellt werden, denn da sind einige Schmankerln dabei (und ich muss auch endlich meine Favoriten, die ich auf über 5 Computerarbeitsplätzen angesammelt habe, sortieren und ordnen);
❑ im Zuge der Diss werde ich so einige Bücher lesen und zu jedem eine (mindestens kurze, vorzugsweise ausführliche) Rezension schreiben (a propos, darf ich Sie bitten, einen kurzen Blick auf meine Literaturliste zu werfen?);
❑ Berichte und Zusammenfassungen von besuchten Fachseminaren und Treffen. Vielleicht ist das ein oder andere Thema für Sie interessant (meistens sind sie ja aktuell und praxisrelevant) u/o eine kleine Entscheidungshilfe, ob sich der Besuch bei der nächsten Veranstaltung in Ihrer Nähe lohnt. Fair warning: offensichtlich wird der Fokus hier auf Events in und rund um Berlin liegen. Gerade in der Elternzeit ist der Besuch von Seminaren, Tagungen etc. natürlich auch eine Frage des Geldes und der rechtzeitigen Organisation einer Kinderbetreuung;
❑ natürlich wird es regelmäßig Fortschrittsberichte geben, wie es mit der Diss läuft. Denn um „regelmäßig“ über „Fortschritte“ berichten zu können, muss ich auch wirklich „regelmäßig“ was machen. Das ist wie dieses „Jedem erzählen, dass man mit dem Rauchen aufhören will“;
❑ Praxistipps zur Gestaltung von Ausschreibungsunterlagen und zur Kommunikation zwischen Auftraggebern und Bietern;
❑ Leserkommentare zu Presseberichten über vergaberechtliche Themen;
❑ Entscheidungsbesprechungen;
❑ kleine Hilfestellungen für den Paragrafendschungel im Vergaberecht.

Sie sehen schon, so ein Blog ist ungemein praktisch. Er ist die ideale Plattform, damit Sie sich aussuchen können, was Sie interessiert!
➪ Sie sollen sich plötzlich im Vergaberecht zurechtfinden, finden das alles überhaupt nicht aufregend oder wollen sich einen Überblick über die Basics in Deutschland bzw. Österreich verschaffen? Sie entscheiden, was, wann und wieviel und wenn ein Thema noch nicht aufbereitet ist oder eine Frage offen lässt, fragen Sie mich!
➪ Auf einen Blick alles zum aktuellen Vergaberecht: Presseberichte, Entscheidungsbesprechungen, Praxistipps, Gesetzesnovellierungen. Rechtzeitig informiert, rechtzeitig vorbereitet.
➪ Wer weiß, vielleicht finden Sie hier ab und an auch etwas Rückenwind, neue Ideen, interessante Ansichten, etwas Neues.
➪ Und wenn’s mal schlecht läuft, der Wald voller Bäume steht und der Kollege gerade selber beschäftigt ist, ist hier eine jederzeit verfügbare Anlaufstelle, ein Plan B.

Habe ich Ihr Interesse geweckt? Suchen Sie jetzt den Link zum attraktiven Probe-Abo oder dem dezenten Hinweis, mich anzuheuern? Beides werden Sie hier nicht finden, denn das ganze Angebot ist und bleibt kostenlos. Das ist an sich auch nichts ungewöhnliches, Jurablogs und Seiten zum Vergaberecht gibt es viele (einige davon empfehle ich ausdrücklich weiter). Was diese Seite von den anderen unterscheidet (because I’d like to think I’m special):
» ich bin keine Rechtsanwältin, kann also nicht aus der Anwaltsperspektive und nicht mit Blick auf mögliche Mandate schreiben (ich sage Ihnen, das ist ungemein befreiend, ich muss nicht aufpassen, niemandem auf die Füße zu treten, und kann frei von der Leber weg, frei Schnauze formulieren, ich muss hier niemanden mit Fachbegriffen beeindrucken; im Gegenteil, ich will das Vergaberecht den Leuten ja näher bringen und erklären);
» Rechtsvergleichung ist unsexy, das macht sonst kaum einer;
» am Ball zu bleiben, die verschiedenen Themenbereiche aufzubereiten, die Praxisrelevanz herzustellen, Antworten zu suchen – das alles bringt mir genauso viel wie Ihnen, vielleicht sogar noch mehr;
» über den Fortschritt meiner Promotion kann nur ich berichten,
» UND: das gute Beispiel für meine Jungs muss ich schon selbst sein.

Did you figure out the second head fake? This talk’s not for you. It’s for my kids.
(Quelle: Randy Pausch, The last lecture)

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